Mit 88 Jahren legt Ridley Scott seinen neuesten Film vor.
 
Gegensätze ziehen sich an
 
Nicht erst seit der Covid-19-Pandemie sprießen Endzeitgeschichten wie Pilze aus dem Boden. Schon in den letzten 15 Jahren erfreuen sich dystopische Filme und Serien, angeheizt etwa durch den Erfolg der Zombiesaga „The Walking Dead“, enormer Beliebtheit. Die Zeiten, in den wir leben, sind unruhig und produzieren bei vielen Menschen Ängste vor der Zukunft, die wiederum in fiktionalen Erzählungen weitergesponnen werden. Was, wenn die Welt, wie wir sie kennen, verschwindet? Unsere Zivilisation irgendwann untergeht? Die Menschheit wirklich am Abgrund steht? Fragen wie diese scheinen im Angesicht des Klimawandels, des Vormarsches autoritärer Kräfte und immer stärker polarisierter Gesellschaften drängender denn je.
 
Auch Ridley Scott, der zuletzt mit der Fortsetzung seines Sandalenepos „Gladiator“ in den Kinos vertreten war, nimmt sich in seinem neuen Werk dieser Thematik an. Als Grundlage diente dem nimmermüden, 1937 geborenen Briten der 2012 veröffentlichte Bestseller „Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte“ (Originaltitel: „The Dog Stars“) aus der Feder von US-Schriftsteller Peter Heller. Auch wenn es sich nicht um eine Science-Fiction-Arbeit im engeren Sinne handelt, kehrt Scott in gewisser Weise zu den düsteren Visionen seiner frühen Meisterwerke „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) und „Blade Runner“ (1982) zurück. Kann man unter extremen, lebensbedrohlichen Umständen noch menschlich sein? Dieser Gedanke spielt auch in „Das Ende der Sterne“ – so firmiert die Romanadaption hierzulande auf der großen Leinwand – eine zentrale Rolle.
 
Im Mittelpunkt steht der frühere Mechaniker Hig (Jacob Elordi), dem eine verheerende, die Menschheit fast auslöschende Viruspandemie seine Ehefrau nahm. Ihr gemeinsames Kind starb noch vor der Geburt. Jahre nachdem die Seuchenkatastrophe die Zivilisation zerstört hat, lebt er in einer Zweckgemeinschaft mit dem taffen Bangley (passend besetzt: Josh Brolin) auf einem verlassenen Flugplatz im US-Bundesstaat Colorado. Gemeinsam schützen die beiden Männer ihr Refugium gegen andere Überlebende. Mit seinem treuen Vierbeiner Jasper unternimmt der Pilot Hig in einer alten Cessna-Maschine außerdem regelmäßig Ausflüge in die verfallene Großstadt Denver, um dort Vorräte zu besorgen. Einen Zwischenstopp legt er meistens bei einer mennonitischen Gemeinschaft ein, die er mit kleinen Lieferungen versorgt.
 
Hig ist ein Samariter. Ein Mann, der selbst unter widrigsten Bedingungen auch an andere denkt und bei Konfrontationen nicht sofort den Abzug drückt. Dem, was er verloren hat, trauert er nach. Gleichzeitig will er die Hoffnung auf neuen Zusammenhalt, eine Zukunft jenseits des täglichen Überlebenskampfes nicht begraben. Ganz im Gegenteil zu seinem Kompagnon Bangley, den genau das, die knallharte Verteidigung des eigenen Rückzugsortes, komplett auszufüllen scheint. Der waffenschwingende Haudegen hat sich schon lange auf ein Untergangsszenario vorbereitet, erkennt darin den echten American Dream, atmet in seinem rücksichtslosen Individualismus, seiner Shoot-First-Don’t-Talk-Devise den Geist des Trumpismus.
 
Platz für Gefühle
 
Für die Gegenüberstellung der beiden so konträren Figuren nehmen sich Scott und Drehbuchautor Mark L. Smith (schrieb unter anderem das Skript für den preisgekrönten Survival-Western „The Revenant - Der Rückkehrer“) ausreichend Zeit. Als Higs geliebter Hund jedoch bei einem Überfall durch Plünderer getötet wird, ist für den jungen Piloten der Moment gekommen, mit seiner Cessna weiterzuziehen und einem mysteriösen Funkspruch zu folgen, auf den er schon öfters gestoßen ist.
 
Mit diesem Entschluss bekommt „Das Ende der Sterne“ eine neue Dynamik,. Immerhin trifft der Held schon bald auf zwei andere Überlebende, die inmitten der Verheerung ihr eigenes kleines Reich errichtet haben. Cima (Margaret Qualley) und ihr nur Pops genannter Vater (ein anfangs herrlich grantiger Guy Pearce) bauen Vertrauen zum bruchgelandeten Hig auf. Mehr noch, zwischen ihm und der jungen Frau, die, so wie er, um ihren durch die Pandemie dahingerafften Ehepartner trauert, entwickeln sich Gefühle – was Ridley Scott erfreulich dezent in Szene setzt.
 
Existenzielle Überlegungen berührt „Das Ende der Sterne“ oft nur kurz. Etwa die Frage, ob die Menschheit schon vor dem tödlichen Virusausbruch von Grund auf verdorben war. Als an den Charakteren interessiertes, nicht von Knalleffekten bestimmtes postapokalyptisches Drama mit atmosphärischen Untergangsbildern und majestätischen Landschaftsimpressionen funktioniert der Film dennoch recht gut. Zumindest rund 80 Minuten lang. Danach knirscht es leider immer lauter.
 
„Das Ende der Sterne“ bläst die Romanhandlung in der letzten halben Stunde unnötig auf und verfällt dabei teilweise in blinden Aktionismus. Krampfhaft heraufbeschworene Schockmomente und Endzeitklischees häufen sich. Passagen wie ein nächtlicher Angriff, der im Stil eines horrorartigen Computerspiels arrangiert ist, beißen sich mit dem zuvor eher geerdeten, realistischen Ansatz. Zusammen mit dem Pathos, das vor allem in den finalen Minuten massiv anwächst, reißt der Film so einiges von dem ein, was er sich vorher sorgsam aufgebaut hat.
 
Fazit
 
Wie viele Werke in Ridley Scotts Schaffen der jüngeren Vergangenheit kann auch „Das Ende der Sterne“ nicht vollends überzeugen. Handwerklich ist die prächtig fotografierte Buchverfilmung sauber, inhaltlich geht es irgendwann allerdings bergab – und bis zum Schlussbild nicht mehr wirklich bergauf.
 
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
 



Mit seinem Skript zu ONE NIGHT ONLY schaffte es Travis Braun zunächst auf die sogenannte Black List, auf der jährlich besonders vielversprechende, bislang noch nicht verfilmte Drehbücher gesammelt werden.
 
Lange blieb der Stoff danach nicht ohne Produzenten. Universal griff zu und verpflichtete Will Gluck als Regisseur, der mit WO DIE LÜGE HINFÄLLT bereits bewiesen hatte, dass er mit modernen romantischen Komödien umgehen kann. Gluck nahm selbst noch Veränderungen an der Vorlage vor, offiziell wird jedoch ausschließlich Braun als Drehbuchautor geführt. Die Ausgangsidee erinnert dabei durchaus ein wenig an THE PURGE – nur dass hier nicht das Verbrechen, sondern Sex für eine Nacht von allen gesetzlichen Einschränkungen befreit wird.
 
Nacht der Abenteuer
 
In dieser Zukunftsversion der USA sind sexuelle Beziehungen vor der Ehe seit drei Jahren verboten. Damit sich die Bevölkerung auch daranhält, wird jeder Mensch mit einem Chip ausgestattet, der Verstöße registriert. Allerdings macht der Staat einmal jährlich eine Ausnahme: In einer einzigen Nacht darf jeder mit jedem ins Bett steigen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Genau darauf hat Owen lange gewartet, denn er möchte die Gelegenheit mit seiner Freundin nutzen. Die macht ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung.
 
Allie wiederum hofft, während der besonderen Nacht endlich den richtigen Mann zu finden. Owen und Allie begegnen sich dabei immer wieder, obwohl ihre jeweiligen Pläne zunächst in ganz andere Richtungen führen.
 
Tolle Chemie
 
Dass dieses Gesellschaftsmodell nicht unbedingt einer genaueren Überprüfung standhält, versteht sich von selbst. Der Film versucht zwar irgendwann, die technische Seite der Überwachung etwas genauer zu erläutern, wirklich plausibler wird die Konstruktion dadurch jedoch nicht. Wer sich darauf einlässt, bekommt immerhin eine romantische Komödie, die ihre Figuren in eine ungewöhnliche Situation versetzt. Owen und Allie sind keineswegs sofort aufeinander fixiert, sondern verfolgen zunächst hartnäckig ihre eigenen sexuellen Ziele. Daraus entwickelt sich eine turbulente Odyssee durch die Nacht, bei der Gluck einige erfreulich schräge Situationen auffährt.
 
Interessanter wäre ONE NIGHT ONLY womöglich geworden, wenn der Film seine gesellschaftliche Ausgangslage stärker für Satire genutzt hätte. Ob Travis Brauns ursprüngliches Skript in dieser Hinsicht bissiger angelegt war, lässt sich schwer sagen. Gluck jedenfalls hält sich mit Angriffen auf Moralvorstellungen, staatliche Kontrolle und gesellschaftliche Erwartungen auffallend zurück. Dabei steckt gerade darin reichlich Potenzial: Weil alle nur diese eine Gelegenheit pro Jahr bekommen, wird aus der vermeintlichen sexuellen Freiheit plötzlich eine Pflichtveranstaltung. Jeder will das Maximum aus wenigen Stunden herausholen, wodurch aus Lust schnell Leistungsdruck entsteht.
 
Parallel entdecken Owen und Allie, dass Nähe und Intimität eben nicht automatisch mit Sex gleichzusetzen sind. Aus dieser Konstellation hätte eine ziemlich böse Gesellschaftssatire entstehen können. Gluck entscheidet sich stattdessen für die wesentlich harmlosere Variante und konzentriert sich auf die Liebesgeschichte.
 
Wenig Sex
 
Das funktioniert vor allem dank Callum Turner und Monica Barbaro. Zwischen beiden stimmt die Chemie, sodass man ihrer allmählichen Annäherung gerne folgt. Auch komödiantisch harmonieren sie gut miteinander. Gerade wenn der Film seine ohnehin absurde Grundidee konsequent ausreizt und einzelne Situationen ins Groteske steigert, entstehen einige ausgesprochen amüsante Momente. Gleichzeitig bekommt die Geschichte genügend Gefühl, ohne allzu klebrig zu werden. Die Botschaft fällt entsprechend klassisch aus: Der vermeintlich perfekte Sex ist weniger wert als eine echte emotionale Verbindung.
 
Bemerkenswert ist allerdings, wie zurückhaltend ONE NIGHT ONLY angesichts seines Themas bleibt. Glucks ursprüngliche Fassung soll wesentlich freizügiger gewesen sein, doch davon ist im fertigen Film wenig übriggeblieben. Selbst für eine Produktion, die in den USA ein R-Rating erhielt, geht es erstaunlich sittsam zu. Der Regisseur begründete diese Entscheidung mit einem veränderten Verhältnis der Gen Z zu Nacktheit und Sex im Kino. Das jüngere Zielpublikum empfinde entsprechende Szenen häufig als unangenehm. Ob diese Einschätzung tatsächlich verallgemeinert werden kann, sei dahingestellt. Sicher scheint nur: Eine vergleichbare Komödie hätte vor zwei oder drei Jahrzehnten wahrscheinlich deutlich mehr gewagt.
 
Fazit
 
ONE NIGHT ONLY ist letztlich eine sympathische, optisch ansprechende und angenehm kurzweilige Romcom mit einer originellen Ausgangslage, die wesentlich mehr satirisches Potenzial besitzt, als der Film ausschöpft. Dass die nächtliche Tour trotzdem Spaß macht, liegt vor allem am bestens aufgelegten Hauptdarstellerduo Turner und Barbaro. Übrigens: Es gibt auch zwei Cameos von Glen Powell und Sydney Sweeney, Glucks Stars aus WO DIE LÜGE HINFÄLLT, aber nur in Form von zwei Fotos.
 
Autor: Peter Osteried
 
 



Jason Statham ist – mal wieder – in seinem Element.
 
Mit MUTINY liefert er in diesem Jahr schon den zweiten Actionfilm ab. SHELTER ließ ihm noch ein paar dramatische Momente, die ein bisschen Schauspiel erforderten, bei MUTINY muss er nur seine Coolness zur Schau stellen und die Kampfchoreographien routiniert herunterreißen. Das kann er. Erwartet man nicht mehr, ist das gute Kinounterhaltung.
 
Einer gegen alle
 
Cole Reed ist ein Bodyguard, dessen Auftraggeber und Freund bei einem Hinterhalt ermordet wird. Die Spur führt zu einem Schiff des Reeders, auf das sich Cole schleicht. Auf dem Meer merkt er dann, dass hier Menschen in Containern geschmuggelt werden. Mit Hilfe der kurzfristig auf das Schiff versetzen Angie Alice versucht er nun, die Menschen zu retten, während der Käpt’n und seine Crew Jagd auf sie machen. Aber Cole Reed ist eine Ein-Mann-Kampfmaschine …
 
Wie man so schön sagt
 
Im Englischen gibt es das Kürzel „SSDD“, was für „same shit, different day“ steht, also „gleiche Scheiße, nur ein anderer Tag“. Daran muss man mittlerweile bei einem Jason-Statham-Action-Vehikel denken, denn die meisten seiner Filme haben keine elaborierten oder wenigstens halbwegs originellen Geschichten. Sie sind völlig austauschbar. Wie sehr, zeigt übrigens auch eines der Plakatmotive für MUTINY, das ganz klar an STIRB LANGSAM angelegt ist.
 
Statham ist mal wieder der coole Ex-Cop und Ex-Special-Forces-Soldat, der immer alles im Blick hat, der jeden Kampf meistert, der einfach nicht zu besiegen ist. Spannung kommt insofern nur bedingt auf, da man eh weiß: Statham wird das schon schaukeln, egal, welche Gegner sich ihm in den Weg stellen. Das sieht schön aus, weil Statham weiß, wie er sich bewegen muss. Gerade die Mann-gegen-Mann-Fights sind immer wieder Hingucker, auch wenn sie nichts grundlegend Neues bieten (eventuell abgesehen vom kreativen Einsatz eines Vorhängeschlosses).
 
Kurz und knackig
 
Zur Seite steht ihm Annabelle Wallis, die sich als einzig wackeres Mitglied der Crew auch gut schlägt, aber im Grunde nur Resonanzboden für Stathams Figur ist. Damit die auch mal was sagen kann und nicht stumm und stur auf Schurkenjagd gehen muss. Dazu kommt eine rührselige Backstory für die Dame und auch Stathams Figur hat natürlich ein Minimaltrauma in der Vergangenheit. Aber beides wird en passant abgehandelt und ist im Grunde auch völlig irrelevant.
 
Die Figuren sind allesamt nur Stereotypen ohne erkennbare charakterliche Ausbildung. Hier wurde auf gut Deutsch gesagt eine 08/15-Story heruntergerissen, die ein paar Standards abdecken muss, aber mehr auch nicht sein muss.
 
Im Grunde ist kurios, dass derlei Filme überhaupt noch ins Kino kommen. Früher wäre das Filmfutter für die Videotheken gewesen und auch heutzutage ist ein Film wie dieser besser im Streaming aufgehoben.
 
Vermutlich wird Statham dort auch über kurz oder lang mit neuen Filmen landen, schickt er sich doch mittlerweile an, in die Fußstapfen von Charles Bronson zu treten, der im höheren Alter auch fast nur Actionfilme gedreht hat. Aber immerhin: Statham weiß, was er kann. Er weiß, was sein Publikum will, und er bietet genau das.
 
Soll heißen: Wenn man bei einem Statham-Film nicht mehr als ordentliche Action erwartet, dann ist man hier gut aufgehoben.
 
Fazit
 
Zur Ruhe kommt Jason Statham nicht, weder in MUTINY, noch generell, denn weitere Actionfilme hat er auch schon angekündigt, darunter ein Sequel zu BEEKEPER, der auch alles andere als einfallsreich war. Aber gut, Statham ist mittlerweile eine Marke, der vielleicht einzig echte Actionstar, den es noch gibt, da er im Grunde auch nur selten etwas abseits von Krachbumm-Filmen macht. Beinharte Fans gehen also ins Kino, alle anderen können auch den Streaming-Start erwarten.
 
 
Autor: Peter Osteried
 
 



Die Familie Lambert hat ihre Schuldigkeit getan. Viermal wurde ihre Geschichte zwischen 2010 und 2023 erzählt, hinzu kam ein Prequel um die Parapsychologin Elise Rainier. Finanziell hat sich der Horror für das Studio mehr als ausgezahlt: Die fünf bisherigen INSIDIOUS-Filme kosteten zusammen nur gut 42 Millionen Dollar und spielten weltweit mehr als 730 Millionen Dollar ein.
 
INSIDIOUS: THE RED DOOR wurde 2023 sogar zum erfolgreichsten Beitrag der Reihe. Entsprechend wenig überrascht es, dass Sony das Ewigreich nicht aufgeben möchte.
 
Mit INSIDIOUS: OUT OF THE FURTHER beginnt nun jedoch praktisch eine neue Ära. Die Lamberts sind Geschichte, stattdessen übernimmt Gemma (Amelia Eve) die Hauptrolle. Ob man den sechsten Teil als Neustart oder als Beginn eines neuen Ablegers betrachtet, macht dabei kaum einen Unterschied: Er soll neue Möglichkeiten für das Franchise eröffnen.
 
Das Erbe der Mutter
 
Gemmas Verbindung zum Übernatürlichen reicht bis in ihre Kindheit zurück. Damals musste sie erleben, wie ihre Mutter sich das Leben nahm, nachdem diese sich zuvor zunehmend verstörend verhalten hatte. Zwei Jahrzehnte später zieht Gemma mit ihrer eigenen Tochter in das Haus zurück, das sie geerbt hat. Dort beginnen Albträume, die sich immer weniger von der Realität unterscheiden lassen.
 
Schließlich erkennt Gemma, dass sie nicht nur Zugang zum Ewigreich besitzt. Sie kann Gegenstände und sogar Wesen von dort in die wirkliche Welt bringen. Das macht sie für die Kreaturen der Zwischenwelt besonders interessant. Der Dämon Cyrus Lam möchte Gemmas Fähigkeit nutzen, um gemeinsam mit seinesgleichen dauerhaft auf die andere Seite zu gelangen.
 
Damit variiert der Film zumindest die bekannte INSIDIOUS-Formel. Nicht mehr allein das Eindringen eines Menschen ins Ewigreich steht im Mittelpunkt, sondern die Gefahr, dass dessen Bewohner den umgekehrten Weg nehmen. Cyrus bleibt als Bösewicht allerdings deutlich weniger eindrucksvoll als der rotgesichtige Dämon der frühen Filme, der hier einen kurzen Cameo-Auftritt erhält.
 
Elise kehrt zurück
 
Neben Amelia Eve sind Island Austin, Sam Spruell, Laura Gordon, Brandon Perea und Maisie Richardson-Sellers zu sehen. Auch Lin Shaye ist wieder als Elise Rainier dabei. Da Elise inzwischen selbst im Ewigreich existiert, kann sie trotz ihres Todes weiterhin auftauchen. Diesmal bleibt ihre Screentime allerdings auf weniger als zehn Minuten beschränkt.
 
Regie führte Jacob Chase (THE GIRL IN THE WOODS). Sony-Vertriebschef Adam Bergerman bezeichnete das Ergebnis im Vorfeld sogar als den furchteinflößendsten Teil der gesamten Reihe. Eine Einschätzung, die der Film kaum rechtfertigt.
 
Das beginnt bei den Jump-Scares. Gerade diese vergleichsweise einfache Disziplin beherrscht Chase erstaunlich schlecht. Manche Szenen kündigen einen Schreckmoment geradezu an, doch anstatt ihn wirkungsvoll auszuspielen, passiert nichts und die Handlung läuft einfach weiter.
 
Noch stärker belastet den Film sein Aufbau. Während der ersten Hälfte geschieht wenig, das man innerhalb der Reihe nicht schon in ähnlicher Form gesehen hätte. Die Geschichte benötigt rund 45 Minuten, bevor sie zu ihrem eigentlich interessanten Kern gelangt. Eine Straffung wäre dringend nötig gewesen: Hätte man die Einführung auf etwa 15 Minuten reduziert, hätte Gemmas ungewöhnliche Begabung wesentlich stärker ins Zentrum rücken können.
 
Denn sobald INSIDIOUS: OUT OF THE FURTHER seine neue Idee ausspielt, gewinnt der Film durchaus an Reiz. Dass Gemma als Verbindung zwischen den Welten dienen kann und die Dämonen dadurch plötzlich eigene Pläne für einen Übergang entwickeln, bietet Stoff für weitere Geschichten.
 
Fazit
 
Ein weiteres Spin-off befindet sich bereits in Entwicklung, und der sechste Film soll zeigen, ob INSIDIOUS auch ohne die Lamberts funktioniert. Nach mehr als 730 Millionen Dollar Gesamteinspiel ist das Franchise zu wertvoll, um es vorschnell aufzugeben. Findet Gemma ihr Publikum, kann das Ewigreich noch lange geöffnet bleiben. Scheitert der Neustart, könnte dagegen auch die Zukunft weiterer Ableger unsicher werden.
 
 
Autor: Peter Osteried
 
 



Schon das Poster von THE END OF OAK STREET macht keine großen Anstalten, ein Geheimnis daraus zu machen, worum es hier geht. Auf der einen Seite befinden sich Ewan McGregor und Anne Hathaway offenbar auf der Flucht, auf der anderen marschiert ein Tyrannosaurus Rex ins Bild.
 
Mehr muss man über David Robert Mitchells Film eigentlich nicht wissen. Die Ausgangsidee ist phantastisch, eine Erklärung dafür gibt es nicht, und sobald die Dinosaurier auftauchen, heißt es vor allem: Beine in die Hand nehmen.
 
Im Vorort der Dinosaurier
 
Wir befinden uns im Jahr 1981. Greg lebt mit seiner Frau Denise und den beiden Kindern Audrey und Brian in einer amerikanischen Vorstadt. Nach außen wirkt alles ziemlich gewöhnlich, doch hinter der Fassade sieht es weniger harmonisch aus. Greg verdient sein Geld als Pizza-Lieferant, während Denise einen Roman geschrieben hat und offenbar davon träumt, ihrem bisherigen Leben zu entkommen. Auch die Ehe der beiden läuft längst nicht mehr rund. Dann erhellt eines Nachts ein merkwürdiges Licht den Himmel. Am nächsten Morgen hat sich die Welt verändert. Ein Teil der Oak Street wurde mitsamt Häusern und Bewohnern in die Urzeit versetzt. Und dort interessieren sich die neuen Nachbarn weniger für gepflegte Vorgärten als dafür, wer gerade auf dem Speiseplan steht.
 
Der vierte Film
 
Mit IT FOLLOWS machte David Robert Mitchell 2014 nachhaltig auf sich aufmerksam. Vier Jahre später folgte der deutlich sperrigere UNDER THE SILVER LAKE, der das Publikum wesentlich stärker spaltete. Danach wurde es lange ruhig um den Regisseur. Für seinen vierten Kinofilm denkt Mitchell nun erheblich größer und bewegt sich erstmals deutlich in Richtung Sommer-Blockbuster. Im Grunde verbindet er JURASSIC PARK mit einer amerikanischen Vorstadtidylle und verlegt das Ganze in die frühen Achtzigerjahre.
 
Dass die Handlung ausgerechnet 1981 angesiedelt ist, hat dabei weniger erzählerische als atmosphärische Gründe. Mitchell will das Kino jener Zeit beschwören, und das gelingt ihm erstaunlich gut. Immer wieder fühlt man sich an Steven Spielbergs Filme erinnert, was Michael Giacchinos Musik noch zusätzlich unterstützt. Der Komponist orientiert sich hörbar an John Williams und liefert den passenden orchestralen Bombast. Wirklich notwendig wäre das Achtzigerjahre-Setting für die Geschichte nicht gewesen, für die Stimmung des Films ist es dagegen Gold wert.
 
Recht kurz
 
Ganz über die rund 100 Minuten trägt diese Mischung allerdings nicht. Besonders im Mittelteil beginnt THE END OF OAK STREET auf der Stelle zu treten. Ein Dinosaurier taucht auf, die Familie rennt weg, kurz darauf erscheint der nächste Dinosaurier und das Spiel beginnt von vorne. Mitchell bemüht sich durchaus, die einzelnen Begegnungen unterschiedlich zu gestalten, aber irgendwann stellt sich dennoch das Gefühl ein, Variationen derselben Szene zu sehen. Spannung und Humor sind vorhanden, nur hätte die Geschichte zwischendurch noch ein oder zwei zusätzliche Ideen vertragen können.
 
Das gilt besonders für das große Mysterium. Mitchell interessiert sich überhaupt nicht dafür, warum die Oak Street in der Urzeit gelandet ist. Es passiert einfach. Ebenso existiert praktischerweise eine Möglichkeit, wieder nach Hause zu kommen. Mehr erfahren weder die Figuren noch das Publikum. Man kann argumentieren, dass wir dadurch genauso ratlos bleiben wie Greg und seine Familie. Trotzdem hinterlässt diese Verweigerung von Antworten einen etwas unbefriedigenden Eindruck.
 
Dafür gelingen Mitchell einige überraschende Momente, gerade wenn der erwartete T-Rex seinen großen Auftritt bekommt. Nicht jeder Dinosaurier erweist sich zudem als gleichermaßen gefährlich, und sogar eine herrlich analoge Achtzigerjahre-Version des obligatorischen Erinnerungsfotos ist drin. Die Dinosaurier selbst können sich durchweg sehen lassen. Die CGI-Effekte funktionieren hier ausgezeichnet. Ausgerechnet beim Familienhund Starbuck schwächeln sie dagegen deutlich. Sobald dieser einen Flugsaurier attackiert und das echte Tier durch sein digitales Gegenstück ersetzt wird, ist der Effekt kaum zu übersehen.
 
Fazit
 
Trotz mancherf Schwächen macht THE END OF OAK STREET ziemlich viel Spaß. Der Film liefert letztlich genau das Spektakel, das Poster und Trailer versprechen: sympathische Stars, Dinosaurier, Achtzigerjahre-Nostalgie und jede Menge Fluchtbewegungen. Das Finale lässt zudem eine Tür für eine Fortsetzung offen. Brauchen würde man die nicht unbedingt. Sollte Mitchell jedoch noch ein paar zusätzliche Ideen für seine prähistorische Vorstadt finden, könnte man durchaus noch einmal in die Oak Street zurückkehren.
 
 
Autor: Peter Osteried